Andreas Wölfl

  Meistgelesen heute


  Meistabonniert


Lang & Schwarz: Die Fintech-Schaufel Manufaktur mit 50% Kurspotential

Diesen Artikel bewerten:
(5.00/5)


17.04.2020

Die ad-hoch der Sino AG hat mich gestern überrascht: Deren Beteiligung Trade Republic konnte eine Series B Funding Runde über 62 Millionen Euro erfolgreich abschliessen. Nicht nur die Bewertung gerade im aktuellen Umfeld ist beeindruckend, sondern auch die neuen Investoren. Mit Peter Thiel steigt ein Star-Investor ein, der im IT Beratungsteam von Präsident Trump sitz, im Team von Elon Musk Paypal führend aufgebaut hat und der erste externe Investor bei facebook war. Eine Ikone und jemand der genau weiss was er macht.

Doch was macht Trade Republic eigentlich? Es ist der erste reine smartphone Broker in Deutschland und Österreich. Die Gesellschaft bietet Trading in Aktien, Zertifikaten & ETFs zum Preis eines symbolischen Euro an. 150,000 Kunden konnten bereits gewonnen werden die in Summe mehr als eine Milliarde Depotvolumen bei Trade Republic liegen haben. Mit dem Funding aus der aktuellen Runde soll die internationale Expansion vorangetrieben werden. But wait a minute: Ein Euro pro Trade? Wie soll sich damit Geld verdienen lassen? Insbesondere genug Geld um jemanden wie Peter Thiel als Investor zu gewinnen? Die Antwort liegt im Detail: Trade Republic "kopiert" das Geschäftsmodell mancher (fast aller) US Retailbroker und verkauft den Orderflow. Was heisst das? Das Trade Republic Trades äusserst günstig anbietet, aber nur EINEN Börseplatz im Programm hat: Die Lang & Schwarz Exchange. Und L&S Exchange bezahlt für dieses Zuführen von Orders durch Trade Republic eine Fee. Das sind zwar nur wenige Basispunkte summiert sich aber mit dem steigenden Geschäftsvolumen auf.

Und das bringt uns zum zweiten, den heimlichen Gewinner der Trade Republic Erfolgs-Story: Lang & Schwarz. Die Gesellschaft kann grob in drei Bereiche unterteilt werden: Market Making/Trading; die Lang & Schwarz Exchange und das Emissionsgeschäft derivativer Wertpapiere. Im Emissionsgeschäft ist Lang & Schwarz bei Hebelprodukten sehr erfolgreich. Lang & Schwarz ist aber auch der Emittent der wikifolio Indexzertifikate. Die strategische Allianz von L&S und wikifolio sieht vor, dass L&S die wikifolios in Zertifikate verpackt und handelbar macht, darüber hinaus hält L&S einen kleinen Teil an wikifolio. Das Universum an investierbaren Titeln bei wikifolios ist eingeschränkt auf die Titel die auf der L&S Exchange handelbar sind - es gibt also wiederum Syneergie-Effekte da nicht nur jedesmal wenn ein wikifolio Zertifikat gehandelt wird die Kasse klingelt, sondern sogar bei jeder Umschichtung innerhalb des Depots die ja dann eine Hedge-Order an der L&S Exchange auslöst (nicht zwingend, aber meistens). Die Geschäftsbereiche von Lang & Schwarz greifen also wie Zahnräder eines grösseren Getriebes perfekt ineinander. Wie bei Trade Republic ist Lang & Schwarz also auch beim Fintech wikifolio der "Schlüssel zum Erfolg" oder eben der Produzent der Schaufeln der dadurch am Erfolg der FinTechs automatisch mitverdient ohne eigenes Geld investieren zu müssen.

Und das Emissionsgeschäft läuft: Im Februar 2019 wurden 11,4 mio Euro in L&S Zertifikaten umgesetzt. Das brachte mit 9.6% Marktanteil Platz vier der Emittenten. Im Februar 2020 waren es bereits 36 mio Euro. Es wurde im turbulenten Feb 2020 natürlich auch insgesamt mehr gehandelt, doch nicht nur das absolute Volumen ist gestiegen: Lang & Schwarz konnte auch das Ranking auf Platz 3 der Emittenten verbessern und den Marktanteil auf 13% ausbauen. Ich bin schon gespannt auf die März-Zahlen die wohl bald rauskommen werden.

Und das nächste "Reiten auf der Erfolgswelle" steht schon ante-portas: Lang & Schwarz ist Mitglied der Börse Bern und macht dort Market Making und listed die derivativen Wertpapiere. Börse Bern? Noch nie gehört? Das mag sein, wird sich aber ändern! Die Börse Stuttgart, Europas grösster Handelsplatz für derivative Wertpapiere, hat die Börse Bern gekauft und wird sie nun zu DER Börse für Strukturierte Produkte in der Schweiz ausbauen. Der Zug ist bereits im Rollen und L&S an Bord bevor jetzt richtig Fahrt aufgenommen wird. Und ein Blick auf die Statistiken der EUSIPA (Europas Verband für Sturkturierte Produkte) zeigt, dass die Schweiz ein perfekter Ort für L&S ist: Nach Deutschland ist die Schweiz der zweitgrösste Markt für derivative Wertpapiere in Europa. Sehr viel grösser bspw als Österreich.

Lang & Schwarz hat aber auch ein Problem und das hält die Aktie derzeit noch vom Ausbruch ab: Die deutschen Steuergesetze sehen für Banken bessere Abschreibmöglichkeiten aus Finanzgeschäften und steuerliches Netting vor als für Nicht-(Voll)-Banken. Eventuell. So genau weiss das niemand. Es erscheint logisch das Emissionsgeschäft von Lang & Schwarz steuerlich genauso zu behandeln wie das der Commerzbank. Es gibt auch schon ein Schreiben der Finanz, dass dem grundsätzlich zugestimmt wird. Aber das ist (noch) nicht rechtsverbindlich. Lang & Schwarz hat daher hohe Rückstellungen für etwaige Steuernachzahlungen in der Bilanz die rund 50% des Eigenkapitals ausmachen. Die Steuerquote ist entsprechend hoch. Gelingt, wovon ich ausgehe, eine Einigung mit der Finanz und L&S wird steuerlich so behandelt wie die commerzbank, dann werden diese Steuer-Rückstellungen Eigenkapital. Und dann wird aus rund 10 Millionen Vor-Steuergewinn 7mio+ Nachsteuergewinn. Was bei einem für dieses Wachstumspotential immer noch sehr konservativem KGV von 10 eine Bewertung von 70 mio ausmacht. Derzeit beträgt die Market Cap rund 47.5 mio Euro. Und das ist der historische Gewinn. Ich gehe davon aus, siehe die Steigerung bei Partizipationszertifikaten, dass L&S 2020 den Gewinn noch einmal schön steigern wird können und selbst eine Market Cap von 70 mio noch ein einstelliges KGV sein werden.

Doch selbst wenn die Finanz sich querlegt, sehe ich die Aktie als zu billig an. L&S hat dann immer noch zwei Trümpfe im Ärmel: 1. Beantragung einer Banklizenz. Das würde dauern und ist sicher mit Kosten verbunden, doch sollte funktionieren und das Problem lösen - wenngleich auf Kosten der Rentabilität. Oder 2. die Ausgliederung des Emissionsgeschäftes z.B. nach Luxemburg. Ich habe mein Emissionsgeschäft bekanntlich in Liechtenstein und dort gibt es die Diskiminierung von Emittenten die nicht (Voll)banken sind nicht. In Luxemburg auch nicht. Eine solche Ausgliederung in EU Ausland wäre zwar wiederum mit Kosten verbunden langfristig aber vermutlich ergebnisneutral. Die Rückstellungen wäre halt weg. Also selbst im worst-case ist die Aktie zu billig

Fazit: Bei Lang & Schwarz handelt es sich um ein perfekt aufgestelltes Unternehmen mit Geschäftsbereichen die super laufen und wie Zahnräder ineinander greifen. Das Management besteht aus Vollblut-Profis die ihre Weitsicht mit Deals wie wikifolio und Trade republic eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Sobald auch die Steuerfrage geklärt sein wird, und ich gehe davon aus, dass die Finanz bestätigt dass L&S einer fairen Besteuerung in Deutschland unterzogen wird wie die Commerzbank auch,  wird es wieder deutlich nach oben gehen. Ich sehe auf Sicht 12-18 Monate mindestens 50% Kurspotential bei nur geringem Downside.

Disclaimer: Artikel die ich in diesem Blog poste stellen keine Anlageberatung dar und auch keine Aufforderung zum Kauf von Finanzinstrumenten. Investoren, insbesondere nicht-professionellen Anlegern, wird empfohlen professionelle Anlageberater zu konsultieren, bevor sie in Wertpapiere investieren. Ich bin derzeit im genannten Titel investiert, L&S ist sogar eine meiner grössten Depotpositionen, was einen Bias und Interessenskonflikt auslöst.